Wadenkrämpfe können sehr unangenehm sein. Insbesondere, wenn die Waden in der Nacht häufig krampfen, sind Schlaf und Lebensqualität der Betroffenen beeinträchtigt. Neben Magnesium scheint Vitamin K hilfreich zu sein, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Studie: Vitamin K2 lindert nächtliche Wadenkrämpfe
Bei Muskelkrämpfen denken die meisten Menschen an einen Magnesiummangel. Das ist in vielen Fällen richtig, allerdings ist eine Magnesiumeinnahme nicht immer ausreichend, um Wadenkrämpfe zu lindern. Viele Menschen, die unter nächtlichen Wadenkrämpfen leiden, erhalten daher Chininsulfat verschrieben – und zwar in einer Dosierung von zweimal 200 mg, also deutlich niedriger als bei der Malaria-Therapie.
Eine aktuelle Studie aus China nutzte Vitamin K2 zur Behandlung nächtlicher Wadenkrämpfe. 199 Personen (davon 108 Frauen) ab 65 Jahre und älter (Durchschnitt 72,3 Jahre), die zwei oder mehr Episoden von nächtlichen Wadenkrämpfen innerhalb von 2 Wochen berichteten, nahmen daran teil. 103 Beteiligte erhielten acht Wochen lang Kapseln mit 180 Mikrogramm (μg) Vitamin K2 (als Menaquinon-7), die anderen 96 Personen bekamen gleich aussehende Placebo-Kapseln.
Das Ergebnis war eindeutig: In der Vitamin K-Gruppe sank die Zahl der durchschnittlichen nächtlichen Wadenkrämpfe von 2,6 auf 0,96 ab. Dagegen litten die Betroffenen in der Placebo-Gruppe weiterhin deutlich an nächtlichen Krämpfen (Anstieg von 2,7 auf 3,63). Zudem wies die Vitamin-K2-Gruppe eine deutliche geringere Dauer der Wadenkrämpfe auf als die Placebo-Gruppe.
Im Zusammenhang mit der Einnahme von Vitamin K2 wurden während des achtwöchigen Beobachtungszeitraums keine unerwünschten Ereignisse festgestellt.
Diese Studie legt nahe, dass eine Vitamin K2-Einnahme eine wirksame Strategie zur Behandlung von nächtlichen Wadenkrämpfen bei älteren Menschen sein kann.
Insbesondere Personen die Blut-verdünnende Cumarine einnehmen – wie beispielsweise Marcumar® –, sollten allerdings vorher Rücksprache mit ihrem Arzt beziehungsweise ihrer Ärztin halten.
Elektrolytmangel als Ursache für Wadenkrämpfe
Vor allem bei hart arbeitenden und intensiv sportelnden Menschen sind Wassermangel – also eine Dehydratation – und damit verbundener Elektrolytmangel (hier oft Natrium) sowie eine Überbeanspruchung der Muskeln häufige Ursachen für Wadenkrämpfe.
Außer starkem Schwitzen, können auch Durchfälle und Erbrechen sowie eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme einen Wassermangel bewirken. Das letztere trifft oft bei Senioren zu, da das Durstgefühl mit dem Alter nachlässt. Zudem können entwässernde Medikamente (Diuretika) einen Wasser- und Elektrolytverlust begünstigen.
Ein Magnesiummangel kann durch verminderte Aufnahme zum Beispiel während Diäten, eine einseitige Ernährung oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn auftreten. Schwangere haben einen erhöhten Magnesiumbedarf. Bei Nierenkranken kann die Magnesiumausscheidung erhöht sein. Auch Alkohol und Koffein fördern die Ausscheidung von Magnesium.
Aber nicht immer ist fehlendes Magnesium die Ursache. Auch ein Kalium- oder Calciummangel kann die Muskeln krampfen lassen, wobei ein Magnesiummangel zu einem Mangel an Calcium und Kalium führen kann.
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Wie kommt es zu Muskelkrämpfen?
Ein Muskelkrampf ist eine nicht-willentliche, schmerzhafte Anspannung eines Muskels, der sich dadurch verkürzt und verhärtet. Ursache ist vielfach ein Elektrolyt-Ungleichgewicht, das zu einer Übererregbarkeit der Muskulatur führt.
Nervenzellen im Rückenmark, sogenannte Alpha-Motoneurone, steuern die Aktivität unserer Muskeln. Durch starke sportliche Belastungen und Ermüdung der Muskulatur können diese Motoneurone übererregt werden. Sie feuern dann mit hoher Frequenz, und der Muskel verkrampft.
Regelmäßige sportliche Betätigung – ohne Überbelastung – kann die Durchblutung der Muskulatur verbessern und so Wadenkrämpfen vorbeugen. Um akut die Anspannung zu lösen, ist Dehnen des betroffenen Muskels hilfreich.
Welche Empfehlungen gelten für Magnesium?
Seit 2021 gibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) Schätzwerte für eine angemessene Magnesiumzufuhr an. Für Frauen gelten dabei 300 Milligramm (mg) Magnesium pro Tag und für Männer 350 mg pro Tag als angemessen.
Der Magnesiumwert im Blut beträgt idealerweise zwischen 0,8 und 1,2 Millimol pro Liter (mmol/l).
Natürlicherweise reich an Magnesium sind bestimmte Mineralwässer, Kerne und Samen (Kürbiskerne, Leinsamen, Sesam, Sonnenblumenkerne) sowie Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte. Bitterschokolade und Kakaopulver enthalten ebenfalls hohe Mengen an Magnesium. Weitere Magnesiumquellen sind grünes Blattgemüse wie Mangold und Spinat oder Fisch.
Daneben sind viele Nahrungsergänzungsmittel mit Magnesium auf dem Markt. Sie enthalten Magnesium entweder in Form von Salzen wie Magnesiumsulfat oder als organische Verbindungen wie Magnesiumcitrat oder Magnesiumhydrogenaspartat. Organisch gebundenes Magnesium weist eine bessere Bioverfügbarkeit auf.
Brausetabletten oder Granulate werden in Wasser aufgelöst. Das liefert Flüssigkeit und sorgt für eine schnelle Aufnahme.
Magnesium kann in höherer Dosierung allerdings abführend wirken. Da zahlreiche Lebensmittel Magnesium enthalten, empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) eine Tageshöchstdosis von 250 mg, um eine Überdosierung zu vermeiden. Vorsicht gilt für Personen mit einer Nierenschwäche; sie sollten immer ärztlichen Rat einholen, bevor sie Elektrolyte einnehmen.
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Weitere Ursachen für Muskelkrämpfe
Besonders bei älteren Menschen sind Wadenkrämpfe weit verbreitet: Bei etwa einem Drittel bis der Hälfte der über 65-Jährigen treten mindestens einmal pro Woche Muskelkrämpfe auf. Dafür sind verschiedene Ursachen möglich.
Dies können sowohl Erkrankungen sein, die den Elektrolythaushalt beeinträchtigen, wie
- Diabetes mellitus
- Erkrankungen der Nebennierenrinde
- Nierenerkrankungen
- Schilddrüsenunterfunktion
- Unterfunktion der Nebenschilddrüse
als auch Muskel-Skelett-Erkrankungen, Nervenerkrankungen wie eine diabetische Nervenschädigung (Polyneuropathie) oder Gefäßerkrankungen wie Krampfadern.
Zudem können auch Medikamente Muskelkrämpfe auslösen, zum Beispiel
- Betablocker
- Bluthochdruckmedikamente (AT1-Antagonisten)
- bronchienerweiternde Mittel (Bronchodilatatoren) zur Behandlung von Asthma
- Diuretika
- Hormonelle Verhütungsmittel "Anti-Baby-Pille"
- Mittel gegen erhöhte Blutfettwerte (wie Lovastatin)
- Raloxifen (zur Vorbeugung und Behandlung von Osteoporose)
- Stimulanzien (wie Amphetamine, Ephedrin, Kokain, Koffein, Nikotin)
Daher ist immer eine ärztliche Abklärung häufiger Wadenkrämpfe sinnvoll.
Verzeichnis der Studien und Quellen
Dr. med. Carsten Schumann. Deutsches Ärzteblatt (2021): Rationale Muskelkrampfbehandlung: Wenn die Wade krampft. https://www.aerzteblatt.de/archiv/221698/Rationale-Muskelkrampfbehandlung-Wenn-die-Wade-krampft , abgerufen am 06.12.2024
Deutsches Ärzteblatt (07.11.24): Vitamin K2 hilft gegen nächtliche Wadenkrämpfe. https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/155348/Vitamin-K2-hilft-gegen-naechtliche-Wadenkraempfe , abgerufen am 03.12.2024
Deutscher Apotheken Verlag (05.10.03): Magnesium: Wadenkrämpfe und ihre Therapie. https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2003/daz-41-2003/uid-10749 , abgerufen am 05.12.2024
Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.v. (DGE) (o.J.): Magnesium https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/faq/ausgewaehlte-fragen-und-antworten-zu-magnesium/ , abgerufen am 04.12.2024
Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.v. (DGE) (o.J.): Magnesium. https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/magnesium/, abgerufen am 05.12.2024
Müller et al. netDoktor (24.03.21): Ursachen von Wadenkrämpfen. https://www.netdoktor.de/symptome/wadenkraempfe/ursachen-von-wadenkraempfen/ , abgerufen am 05.12.2024
Nina Rathfelder. SWR (12.6.24): Magnesium hilft gar nicht gegen Muskelkrämpfe - was wirklich was bringt. https://www.swrfernsehen.de/marktcheck/gesundheit/marktcheck-doc-fischer-magnesium-hilft-gar-nicht-gegen-muskel-kraempfe-was-bringt-wirklich-was-120.html, , abgerufen am 06.12.2024
Tan J et al. Vitamin K2 in Managing Nocturnal Leg Cramps: A Randomized Clinical Trial. JAMA Intern Med. (01.12.24); 184(12): 1443-1447. https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/2825457, abgerufen am 02.12.2024