Leberschäden durch Heilpflanzen?

Können pflanzliche Arznei- und Nahrungsergänzungsmittel auch schaden?

Kapseln mit pflanzlichen Extrakten sollten nicht in übergroßen Mengen eingenommen werden, da sie eventuell zu Leberschäden führen können. Bild: settaphan/Adobe Stock

Viele Menschen nehmen Nahrungsergänzungsmittel ein, um einem realen oder vermeintlichen Mangel vorzubeugen oder bestimmte Wirkungen – wie verbessertes Einschlafen – zu erzielen. Im Trend liegen Präparate mit pflanzlichen Extrakten wie Ashwagandha, Grüntee oder auch Kurkuma. Doch ein Verzehr in großer Menge kann zu Leberschäden führen.

Steigende Beliebtheit von pflanzlichen Extrakten

In den USA schlagen die Gesundheitsbehörden Alarm. Denn ungefähr jeder fünfte Leberschaden dort geht auf pflanzliche Nahrungsergänzungs- oder Arzneimittel zurück. Eine repräsentative Umfrage zeigte, dass immer mehr Menschen Nahrungsergänzungsmittel mit pflanzlichen Extrakten konsumieren und dadurch verursachte Leberschäden zunehmen. Von den befragten 9685 Erwachsenen – mit einem Durchschnittsalter von 47,5 Jahren – gaben 4,7 Prozent an, bestimmte potenziell leberschädigende pflanzliche Produkte einzunehmen. Dazu zählen (in Reihenfolge der Häufigkeit):

  • Kurkuma (Curcuma)
  • Grüntee-Extrakt
  • Ashwagandha
  • Garcinia cambogia
  • roter Hefereis
  • Traubensilberkerze

Die Nutzer der pflanzlichen Produkte waren im Vergleich zu den Nichtnutzern deutlich älter, litten häufiger an Arthritis und waren gebildeter.

Eine aktuelle Übersichtsarbeit zur Erkennung und Vorbeugung von durch Nahrungsergänzungsmitteln hervorgerufenen Leberschäden zählt als wichtigste leberschädigende Wirkstoffe

  • Anabolika
  • Grüntee-Extrakte
  • Garcinia cambogia
  • Kratom (Mitragyna speciosa)
  • Ashwagandha
  • Kurkuma
  • Nahrungsergänzungsmittel mit mehreren (pflanzlichen) Inhaltsstoffen

auf.

Auch in Deutschland geben drei von vier der Befragten an, in den letzten 12 Monaten Nahrungsergänzungsmittel konsumiert zu haben. Weit vorne liegen dabei Vitaminpräparate (61 Prozent). Aber fast jeder Fünfte (18 Prozent) verzehrt ebenfalls Kräuter oder Kräuterprodukte.

Wie erkenne ich gute Nahrungsergänzungsmittel?

Nahrungsergänzungsmittel zählen als Lebensmittel und sind frei verkäuflich. Deshalb erfolgt eine Einnahme oft unkritisch. Zahlreiche Menschen sind der Meinung, da es sich bei Pflanzen und Pflanzenextrakten um natürliche Produkte handelt, seien sie unbedenklich und nehmen sogar mehrere Präparate gleichzeitig ein. Doch das stimmt so nicht. Der Grundsatz „viel hilft viel“ ist ebenfalls gefährlich, denn mit höherer Dosis steigt das Risiko für Nebenwirkungen. Dazu tragen auch die Empfehlungen für mehrere Kapseln am Tag bei, die bei vielen Nahrungsergänzungsmittel angegeben werden. Dabei gelten auch für pflanzliche Produkten sinnvolle Höchstmengen.

Da es Nahrungsergänzungsmittel in großer Fülle auf dem Markt gibt, fällt die Auswahl oft schwer. Dabei ist es nicht sinnvoll, nur auf dem Preis zu schauen. Ein entscheidendes Kriterium ist gute Qualität, für die wir hier  verschiedene Kriterien zusammengestellt haben. Insbesondere namhafte Anbieter stehen für sichere und sinnvolle Produkte, während bei Anbietern im Internet, die aus dem Ausland agieren, oft Vorsicht geboten ist. Denn nicht immer enthalten die angebotenen Produkte die angegebenen Inhaltsstoffe in der richtigen Dosierung.

Höchstmengen überschritten

Ein besonderes Risiko stellen Nahrungsergänzungsmittel aus zweifelhaften Quellen dar. Denn sie enthalten oft nicht das, was angegeben ist. So können durchaus deutlich höhere Mengen leberschädigender Substanzen enthalten sein beziehungsweise ihr Gehalt kann deutlich schwanken.

Im Jahr 2024 testete das Chemische und Veterinär­untersuchungsamt Stuttgart (CVUA) zum Beispiel 86 Curcumin-haltige Nahrungsergänzungsmittel. Davon wurden viele beanstandet: Bei 44 Prozent überstieg die Curcuminzufuhr die akzeptable tägliche Menge, die für eine langfristige Aufnahme gilt (siehe unten).

Vorsicht ist bei vielen Produkten zum Abnehmen geboten – insbesondere, wenn sie als Wundermittel angepriesen werden. Übergewicht ist weit verbreitet, und wer träumt nicht davon, ohne jeglichen Verzicht die Pfunde purzeln zu lassen? Hier gaukeln falsche Versprechungen oftmals ein kinderleichtes Abnehmen vor; dabei enthalten viele „Fatburner“ entweder schädliche Inhaltsstoffe oder sind völlig wirkungslos.

 

Kurkuma (Curcuma) fördert Verdauung

Kurkuma – auch Gelbwurzel genannt – ist ein Mitglied der Familie der Ingwergewächse. Genutzt wird der Wurzelstock (Rhizom), der eine charakteristische gelborange Färbung besitzt, insbesondere in Curry-Gewürzmischungen oder als Lebensmittelfarbstoff (E100).

Kurkuma werden viele positive Wirkungen zugeschrieben. Sicher ist die verdauungsfördernde Eigenschaft, da der Inhaltsstoff Curcumin  die Gallensäureproduktion anregt. Gallensäuren unterstützen die Fettverdauung. Dadurch kann Kurkuma Blähungen und Völlegefühl nach fettreichen Mahlzeiten lindern. Bei Gallensteinen darf Curcumin allerdings nicht angewendet werden. Dann ist es auch besser, vorsichtshalber auf curryhaltige Speisen zu verzichten.

Darüber hinaus wirkt Curcumin entzündungshemmend und antioxidativ , kann also freie Sauerstoffradikale hemmen.

Info

Höchstmengen für Curcumin und Piperin

Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) beträgt die akzeptable tägliche Aufnahmemenge (ADI) langfristig maximal 3 mg Curcumin pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag – das entspricht ungefähr 200 Milligramm für einen 70 kg schweren Menschen. Dabei sind alle Quellen – also Arzneimittel, Nahrungsergänzungsmittel, Lebensmittelzusätze und Gewürze – einzubeziehen.

Für traditionell pflanzliche Arzneimittel liegt die Grenze bei einer empfohlenen geschätzten maximalen Tagesdosis von 125 mg Curcumin. Das entspricht 2,1 mg pro kg Körpergewicht bei einer 60 kg schweren Person.

Da Piperin (aus schwarzem Pfeffer) und verschiedene neue Verfahren (wie die Bildung von Mizellen) die Bioverfügbarkeit von Curcumin erhöhen, könnten Produkte damit als sogenannte neuartige Lebensmittel („Novel Food“) gelten, die jeweils einer gesonderten Zulassung bedürfen. Die Übertragung der akzeptablen täglichen Aufnahmemenge von normalem Curcumin auf Produkte mit verbesserter Bioverfügbarkeit ist nicht möglich, da die Plasmaspiegel durch die verbesserte Bioverfügbarkeit höher sind. Dadurch können stärkere (Neben-)Wirkungen auftreten; auch die Giftigkeit für die Leber kann dadurch erhöht sein.

Zusätzlich ist es sinnvoll, auf die Menge von Piperin zu achten: Laut BfR sollte eine tägliche Zufuhrmenge von 2 mg pro Person und Tag bei Erwachsenen mit einem Körpergewicht von 70 kg nicht überschritten werden.

Grüntee und oxidativer Stress

Grüner Tee (Camellia sinensis) gilt als gesundheitsfördernd und lebensverlängernd aufgrund der darin enthaltenen sekundären Pflanzenstoffen ECG (Epicatechingallat) und EGCG (Epigallocatechingallat). Sie zählen zur großen Gruppe der Polyphenole, denen oft antioxidative Eigenschaften nachgesagt werden.

Forschende der ETH Zürich und der Universität Jena haben im Jahr 2021 die Wirkung der Grüntee-Substanzen in Fadenwürmern untersucht. Dabei kamen sie zu dem verblüffenden Schluss, dass die Pflanzenstoffe den oxidativen Stress sogar kurzfristig erhöhen. Darüber aktivieren sie Gene, die für die Herstellung antioxidativ wirkender Enzyme zuständig sind. Das steigert letztendlich die Abwehrfähigkeit der Zellen und des Organismus und erhöht so dessen Fitness.

Deshalb rät der Studienautor dazu, täglich grünen Tee zu trinken, aber von Grüntee-Extrakten Abstand zu nehmen. Sie würden die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zellen, zu stark hemmen. Das könnte zum Zelltod führen und für die Leber gefährlich werden.

Wer trotzdem Grüntee-Kapseln einnehmen möchte, sollte darauf achten, nicht mehr als 800 Milligramm EGCG pro Tag zu sich zu nehmen. Darauf hat die EU den Wert seit Jahresbeginn 2023 begrenzt.  Nahrungsergänzungsmittel mit hochreinem Epigallocatechingallat-Extrakt dürfen pro Portion nicht mehr als 150 Milligramm enthalten. Außerdem muss darauf hingewiesen werden, dass maximal 300 Milligramm des Extraktes pro Tag verzehrt werden dürfen. 

Grüntee-Extrakt kann mit vielen Arzneimitteln Wechselwirkungen eingehen, beispielsweise mit

  • Atropin
  • Betablockern
  • Bortezomib
  • Cholesterinsenkern
  • Codein
  • Gerinnungshemmern
  • Tamoxifen
  • Verapamil (Calciumkanalblocker)

Wer die genannten Medikamente einnimmt, sollte daher zuerst mit seinem ärztlichen Fachpersonal Rücksprache halten, ob er Grüntee-Extrakte konsumieren darf.

Zudem ist Vorsicht bei bestehendem Bluthochdruck geboten. Während der Konsum von grünem Tee mit einer schützenden Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System in Verbindung gebracht wird, stiegen in einer zwölfwöchigen Studie mit zwei Grüntee-Extrakten unter einem Extrakt der Blutdruck und der Augeninnendruck an.

 

Ashwagandha („Schlafbeere“) für guten Schlaf

Ashwagandha (Withania somnifera) – auch indischer Ginseng genannt – gehört zur Familie der Nachtschattengewächse und ist mit der Physalis verwandt. Allerdings sind die Früchte der Schlafbeere giftig. Genutzt werden Blätter und Wurzeln, die Withanolide als Wirkstoffe enthalten. Sie wirken entzündungshemmend und antioxidativ. Ashwagandha wird seit Jahrhunderten für verschiedene Zwecke im Ayurveda, der traditionellen indischen Medizin, verwendet.

Ein Einsatzgebiet von Ashwagandha ist Schlaflosigkeit. Eine Studie aus dem Jahr 2017, die die Schlafregulation bei Mäusen untersuchte, kam zu dem Schluss, dass die schlaffördernde Komponente nicht der alkoholische Extrakt mit einer großen Menge aktiver Withanolide, sondern der wässrige Extrakt mit dem Hauptbestandteil Triethylenglykol sei.

Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) hat im September 2024 explizit darauf hingewiesen, dass aufgrund der Vielzahl der Ashwagandha-Zubereitungen mit unterschiedlichen Konzentrationen keine Aussagen über sichere Dosierungen – insbesondere für einen längeren Zeitraum – möglich sind. Schwangere, Stillende und Minderjährige sowie Personen mit einer bestehenden oder früheren Erkrankung der Leber sollten deshalb keine Ashwagandha-Präparate einnehmen.

Darüber hinaus sollte Ashwagandha nicht mit Alkohol kombiniert werden. Zudem sind Wechselwirkungen mit verschiedenen Medikamenten zu beachten.

Garcinia cambogia – Schwindel mit „Fatburner“

Garcinia cambogia – manchmal auch Malabar-Tamarinde genannt – ist eine tropische Pflanze mit Kürbis-ähnlichen Früchten, deren Rinde den Wirkstoff Hydroxycitronensäure (HCA) enthält. HCA konnte in Tierversuchen ein wichtiges Enzym im Fettstoffwechsel hemmen, deshalb wird Garcinia cambogia als Schlankheitsmittel beworben. Allerdings erwies sich ein Extrakt als ausgesprochen Hoden-schädigend bei männlichen Ratten.

Im Dezember 2015 bekam das CVUA Stuttgart zwei Proben eines Schlankheitsmittels („Fatburner“) aus den USA zur Analyse, um den HCA-Gehalt zu bestimmen. Ergebnis: Die Angaben zu dem Präparat („100 Prozent Garcinia cambogia-Extrakt mit 85 Prozent HCA“, „Kapselmaterial pflanzlicher Herkunft“ und „ohne Füllstoffe“) erwiesen sich als völlig falsch:

  • Das eine Produkt enthielt 70 Prozent Stärke als Füllstoff, das andere 30 Prozent Asche.
  • Die Kapsel bestand aus Gelatine, war also tierischer Herkunft.
  • Der Gehalt an HCA betrug deutlich weniger als angegeben (unter 15 Prozent beziehungsweise unter ein Prozent).

Roter (Hefe)Reis

Fermentierter roter Reis oder roter Schimmelreis ist ein mit einem speziellen Schimmelpilz fermentierter Reis, der in der ostasiatische Küche Verwendung findet – und nicht mit natürlichen rotschaligen Reissorten verwechselt werden darf. Mittlerweile wird Rotschimmelreis auch bei uns als „Heilmittel“ beworben, da er erhöhte Blutfettwerte senken kann.

Allerdings ist der Wirkstoff Monacolin K mit dem verschreibungspflichtigen Arzneistoff Lovastatin identisch – und kann die gleichen Nebenwirkungen aufweisen:

  • Muskelschmerzen und -krämpfe
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit und Durchfall
  • Schwäche
  • Hautausschläge
  • Störungen der Nieren- und Leberfunktion

Deshalb dürfen Nahrungsergänzungsmittel nur geringe Konzentrationen (weniger als 3 Milligramm) an Monacolin K aufweisen, in denen es wirkungslos ist. Ab einer Tagesdosis von 5 Milligramm Monakolin K sind die Produkte in Deutschland als zulassungspflichtige Arzneimittel einzuordnen. Wichtig: Als Nebenprodukt der Fermentation kann giftiges Citrinin entstehen.

Eine Ausnahme ist das Nahrungsergänzungsmittel Limicol® (eine Kombination von standardisierten Extrakten aus Artischockenblättern, Monacolin K, Policosanolen, Polyphenole aus Strandkiefernrinde (OPC), Knoblauch, Vitamin B2 und Vitamin B3), für das die Aussage "Limicol® senkt/reduziert nachweislich den Cholesteringehalt im Blut. Ein hoher Cholesterinwert ist ein Risikofaktor für die koronare Herzerkrankung." von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (European Food Safety Authority, EFSA) erlaubt ist. Die Tagesdosis muss dabei auf die drei Hauptmahlzeiten aufgeteilt werden.

Traubensilberkerze bei Wechseljahresbeschwerden

Die Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) wird zur Linderung von Wechseljahres-Beschwerden wie Hitzewallungen und übermäßigem Schwitzen eingesetzt. Neben Allergien, Magen-Darm-Beschwerden und Schwellungen im Gesicht könnten allerdings Leberschäden als Nebenwirkungen auftreten. Daher sollte Traubensilberkerze nicht länger als 6 Monate eingenommen werden, ohne einen Arzt/eine Ärztin zu konsultieren. Es empfiehlt sich eine Überwachung der Leberwerte.

Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass die berichteten Leberschäden durch andere Cimifuga-Arten oder eine deutlich überhöhte Dosierung ausgelöst worden sind.

Bei Anzeichen für Leberschädigung sofort absetzen

Wenn Sie Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, die die genannten Pflanzen enthalten, sollten Sie sich des Risikos einer möglichen Leberschädigung bewusst sein. Eine Leberschädigung ist zwar eine seltene Nebenwirkung, kann aber schwerwiegend sein. Die Risiken sind jedoch geringer, wenn Sie Präparate aus sicheren Quellen einnehmen und die entsprechenden Höchstmengen für den Verzehr beachten.

Insbesondere Personen, die regelmäßig Medikamente einnehmen, sollten sich beraten lassen, ob Nahrungsergänzungsmittel und freiverkäufliche Medikamente mit ihrer verschriebenen Medikation Wechselwirkungen eingehen könnten.

Sollten Sie erste Anzeichen für eine Leberschädigung erkennen, am besten die Einnahme des Arzneimittels oder des pflanzlichen Ergänzungsmittels sofort beenden und einen Arzt/eine Ärztin aufsuchen. Handeln Sie umgehend, wenn Sie eines der folgenden Symptome bemerken:

  • Appetitlosigkeit
  • dunkler Urin
  • Erbrechen
  • Gelbfärbung der Haut oder der Augen
  • Magen- oder Unterleibsschmerzen
  • Schwäche
  • Übelkeit
  • ungewöhnliche Müdigkeit

Wenn Sie gegenwärtig Leberprobleme haben oder in der Vergangenheit hatten – beispielsweise Gallensteine –, sollten Sie vorsichtshalber Arzneimittel und pflanzliche Präparate meiden, die die oben genannten möglicherweise leberschädigenden Pflanzen enthalten. Am besten immer Rücksprache mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin halten. In Ihrer Apotheke können Sie sich ebenfalls beraten lassen.

Problem: ernährungsbedingte Fettleber

Insbesondere, wenn die Leber bereits vorgeschädigt ist, können leberschädigende Effekte durch pflanzliche Extrakte auftreten. Denn die Leber ist das zentrale Entgiftungsorgan des Körpers. Doch eine vorgeschädigte Leber kann nicht mehr ausreichend entgiften.

Ein weitverbreiteter Grund für eine Beeinträchtigung ist die sogenannte Fettleber. Dabei lagert die Leber übermäßig viel Fett in den Zellen ein. Lange Zeit war Alkoholmissbrauch die häufigste Ursache dafür. Doch in den westlichen Ländern – auch in Deutschland – nehmen Fälle mit ernährungsbedingter Fettleber zu. Dabei sprechen Fachleute von nicht-alkoholischer Fettleber (Englisch: non-alcoholic fatty liver disease, kurz: NAFLD) oder neuerdings von einer metabolisch-assoziierten Fettlebererkrankung (Englisch: metabolic dysfunction–associated steatotic liver disease, kurz: MASLD). Fast ein Viertel der Bevölkerung ist davon betroffen (24 Prozent) – parallel zur Adipositas-Welle (Adipositas = krankhaftes Übergewicht). Hauptursache für die Fettleber ist eine Lebensweise, die mehr Kalorien zuführt als verbraucht.

Um das Risiko für eine Fettleber zu senken, sind folgende Maßnahmen empfehlenswert: 

  • ausgewogen ernähren
  • ausreichend bewegen
  • halten eines normalen Body-Mass-Index (BMI)
  • (starkes) Übergewicht vermeiden

 

Personen, die regelmäßig Arzneimittel einnehmen, sollten immer mit ihrem Arzt beziehungsweise ihrer Ärztin Rücksprache halten, wenn sie zusätzlich zur verschriebenen Medikation Nahrungsergänzungsmittel einnehmen möchten. Denn manche Substanzen können sich gegenseitig hemmen oder in ihrer Wirkung verstärken. Ein zeitlicher Abstand kann in vielen Fällen schon hilfreich sein; ist aber nicht immer ausreichend. Andererseits können bestimmte Mikronährstoffe verschiedene Nebenwirkungen von Arzneimittel sogar verringern.
Auch Menschen mit Leberproblemen oder eingeschränkter Nierenfunktion sollten sich immer beraten lassen, bevor sie zu Nahrungsergänzungsmitteln greifen. Denn die Leber ist – als zentrales Stoffwechsel- und Entgiftungsorgan – für den Abbau vieler Substanzen zuständig, die Nieren sorgen für eine geregelte Ausscheidung.

Verzeichnis der Studien und Quellen:

Apotheken-Umschau. Melzer M. Traubensilberkerze: Pflanzliche Hilfe in den Wechseljahren. Stand: 18.05.2020. Verfügbar unter: https://www.apotheken-umschau.de/medikamente/heilpflanzen/traubensilberkerze-pflanzliche-hilfe-in-den-wechseljahren-736517.html

Ärztezeitung-online. Schlimpert V. "Natürliche Cholesterinsenker" bei Statinintoleranz? Stand:  22.10.2018. Verfügbar unter: https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Natuerliche-Cholesterinsenker-bei-Statinintoleranz-231429.html

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Björnsson HK et al. Liver Injury due to Ashwagandha. A Case Series from Iceland and the U.S. Drug-Induced Liver Injury Network. Liver Int. 2020 Apr; 40(4): 825-829. doi: 10.1111/liv.14393. Verfügbar unter: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8041491/

Bundesamt für Risikobewertung (BfR). Curcumin in Nahrungsergänzungsmitteln: Gesundheitlich akzeptable tägliche Aufnahmemenge kann überschritten werden. Stellungnahme Nr. 040/2021 vom 14.12.2021. Verfügbar unter: https://www.bfr.bund.de/cm/343/curcumin-in-nahrungsergaenzungsmitteln-gesundheitlich-akzeptable-taegliche-aufnahmemenge-kann-ueberschritten-werden.pdf

Bundesamt für Risikobewertung (BfR): Mitteilung 39/2024. Ashwagandha: Schlafbeeren-Präparate mit möglichen Gesundheitsrisiken. 10.09.2024. Verfügbar unter: https://www.bfr.bund.de/cm/343/ashwagandha-schlafbeeren-praeparate-mit-moeglichen-gesundheitsrisiken.pdf

Cheah KL et al. Effect of Ashwagandha (Withania somnifera) extract on sleep: A systematic review and meta-analysis. PLoS One. 2021 Sep 24; 16(9): e0257843. doi: 10.1371/journal.pone.0257843. Verfügbar unter: https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0257843

Deutsche Herzstiftung. So schützt grüner Tee Ihr Herz. Stand: 2020. Verfügbar unter: https://herzstiftung.de/ihre-herzgesundheit/gesund-bleiben/ernaehrung/gruener-tee

Die Untersuchungsämter für Lebensmittelüberwachung und Tiergesundheit, Baden-Württemberg. Lerch C. Garcinia cambogia – ein Schlankmacher? Stand: 16.03.2016. Verfügbar unter: https://www.ua-bw.de/pub/beitrag.asp?subid=1&Thema_ID=2&ID=2221

Ernährungsmedizin-Blog. Smollich M. Grüner Tee-Extrakt: Leber versagt, Blutdruck steigt. Stand: 20.08.2018. Verfügbar unter: https://www.ernaehrungsmedizin.blog/2018/08/20/gruener-tee-extrakt-leber-versagt-blutdruck-steigt/

Informationsdienst Wissenschaft. Nachrichten. Katechine des Grüntees fördern oxidativen Stress. Stand: 26.10.2021. Verfügbar unter: https://nachrichten.idw-online.de/2021/10/26/katechine-des-gruentees-foerdern-oxidativen-stress

Journalmed. Adam M. Nicht-alkoholische Fettleber (NAFLD, MAFLD). Stand: 07.02.2023. Verfügbar unter: https://www.journalmed.de/thema/lesen/nicht-alkoholische-fettleber-nafld-mafld

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Lerch C (CVUA Stuttgart) & V Bock (CVUA Karlsruhe). Curcumin in Nahrungsergänzungsmitteln – in hoher Dosierung bedenklich. Stand 17.10.2024. Verfügbar unter:  https://www.ua-bw.de/pubmobil/beitrag.asp?Thema_ID=2&ID=4076&subid=1

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Verbraucherzentrale. Kurkuma: Fakten und Mythen. Stand: 02.05.2024. Verfügbar unter: https://www.klartext-nahrungsergaenzung.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/kurkuma-fakten-und-mythen-13696

Verbraucherzentrale. Roter Reis – ganz natürlich den Cholesterinspiegel senken? Stand: 30.07.2024. Verfügbar unter: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/roter-reis-ganz-natuerlich-den-cholesterinspiegel-senken-43467

Wikipedia. Rot fermentierter Reis. Stand: 29.04.2024. Verfügbar unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Rot_fermentierter_Reis

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