Zinkmangel kann bakterielle Lungenentzündung begünstigen

Menschen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen durch Bakterien besonders gefährdet

Zink ist in verschiedenen tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln enthalten. Trotzdem kann ein Zinkmangel auftreten. Bild : bit245/iStock/Getty Images Plus

Lungenentzündungen werden meist durch Bakterien ausgelöst, allen voran durch Pneumokokken. Daneben gibt es aber auch sogenannte Krankenhauskeime – wie beispielsweise Acinetobacter baumannii –, die für schwere Lungenentzündungen verantwortlich sind. Begünstigt wird die Ausbreitung der Infektion durch einen Zinkmangel, wie Forschende aus den USA am Mausmodell gezeigt haben.

Was ist das Problem mit Acinetobacter baumannii?

Acinetobacter baumannii gehört zu einer Bakteriengruppe, die sich zunehmend resistent gegenüber Antibiotika erweist (Multiresistente gramnegative Stäbchen, kurz: MRGN). Das bedeutet, bei einer vorliegenden Infektion mit diesem Keim helfen viele Medikamente nicht mehr.

Ein hohes Risiko, sich mit dem Bakterium zu infizieren, haben insbesondere Menschen, deren Immunsystem beeinträchtigt ist. Dazu zählen vorwiegend Ältere und (chronisch) Kranke. Verbreitet ist das Bakterium in Krankenhäusern, so dass sich vor allem Menschen anstecken, die sich länger in Behandlung befinden. Ausgerechnet an Kathetern (Röhrchen oder Schläuche, um beispielsweise die Blase zu entleeren) und Beatmungsgeräten – also auch auf Intensivstationen – besteht ein hohes Infektionsrisiko.

In Pflegeeinrichtungen kann das Bakterium ebenfalls häufiger Lungenentzündungen verursachen.

Zinkmangel fördert Entzündungen und Bakterienausbreitung

Wie die Forschenden aus den USA an einem Mausmodell zeigen konnten, produzieren Mäuse mit Zinkmangel während der Infektion mit Acinetobacter baumannii mehr entzündungsfördernde Botenstoffe – unter anderem Interleukin-13 (IL-13). Gleichzeitig konnte der pro-entzündliche Botenstoff IL-13 die Ausbreitung der Bakterien fördern.

Die Mäuse mit Zinkmangel hatten eine deutlich höhere Bakterienbelastung in der Lunge als die Mäuse mit ausreichendem Zinkspiegel. Bei ersteren konnten sich die Bakterien zudem bis in die Milz ausbreiten. Dies führte zu einer höheren Sterblichkeit.

Wurden die Mäuse mit Zinkmangel allerdings mit Antikörpern behandelt, die gegen IL-13 wirken, bewahrte sie dies vor dem Tod durch die Infektion. IL-13-Antikörper könnten daher auch bei Menschen eine alternative Behandlung sein.
Sinnvoll ist es aber, bereits vorbeugend einen Zinkmangel zu verhindern.

Zinkmangel bei älteren Menschen häufig

Ein Risiko für einen Zinkmangel besteht unter anderem für Ältere – also genau für die Personengruppe, die häufiger länger im Krankenhaus, auf Intensivstationen und in Pflegeeinrichtungen verweilt. Kurz gesagt: Personen mit erhöhtem Risiko für A. baumannii-Lungenentzündungen haben auch ein erhöhtes Risiko für Zinkmangel.

Das lebenswichtige Spurenelement Zink erfüllt im Körper viele Funktionen: Es ist zum Beispiel für Zellwachstum und Zellteilung wichtig. Zudem benötigt unser Immunsystem Zink, damit es genügend funktionierende Immunzellen herstellen kann. Nicht umsonst geht Zinkmangel mit einem erhöhten Infektionsrisiko einher.

Aber Zink kann auch dämpfend auf überschießende Entzündungsreaktionen wirken. Mit Entzündungen reagiert unser Immunsystem auf Erreger und Verletzungen, um die Heilung zu fördern. Werden allerdings zu viele entzündungsfördernde Botenstoffe durch die Immunzellen ausgeschüttet, wird körpereigenes Gewebe angegriffen und geschädigt. Die permanente Entzündung kann sogar die Ausbreitung von Krankheitserregern begünstigen, wie das auch im Mausmodell gezeigt werden konnte.

Wie Zinkbedarf decken?

Zink ist sowohl in tierischen als auch in pflanzlichen Lebensmitteln enthalten. Gute Zinklieferanten sind

  • Fleisch
  • Eier
  • Milch und Milchprodukte wie Käse
  • Hülsenfrüchte
  • Nüsse
  • Vollkornprodukte

Der menschliche Körper kann Zink aus tierischen Quellen besser verwerten als aus pflanzlichen. Denn Pflanzen (Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide) enthalten Verbindungen, sogenannte Phytate, die im Magen-Darm-Trakt das Zink binden und damit verhindern, dass der Körper es aufnehmen kann. Einweichen, Keimen lassen und Sauerteiggärung kann Phytate abbauen und so die Bioverfügbarkeit von Zink erhöhen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat daher ihre Empfehlungen für eine angemessene Zinkzufuhr von der Phytat-Zufuhr abhängig gemacht. Die empfohlene Zinkzufuhr für Erwachsene in Milligramm (mg) Zink pro Tag beträgt:

 Frauen  Männer  
Ab 19 Jahreniedrige Phytat­-Zufuhrmittlere Phytat-Zufuhrhohe Phytat-Zufuhrniedrige Phytat-Zufuhrmittlere Phytat-Zufuhrhohe
Phytat­-Zu­fuhr
Schwangere (1. Trimester)7819111416
Schwangere (2. + 3.  Trimester)91113   
Stillende111314   

Nach: https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/zink/

Viele ältere Menschen essen aber nur noch wenig und nicht immer ausgewogen. In solchen Fällen sind Nahrungsergänzungsmittel mit Zink eine gute Alternative. Hochwertige Zinkpräparate enthalten eine Form, die der Körper gut aufnehmen kann – wie Zinkcitrat, Zinkbisglycinat, Zinkgluconat oder Zink in Kombination mit Aminosäuren. Denn Zink wird im Darm besonders gut in organischer Form und in Verbindung mit Aminosäuren – oder tierischen Produkten – aufgenommen.

Verzeichnis der Studien und Quellen

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) e. V. Zink; ausgewählte Fragen und Antworten. Stand: 2019. https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/faq/ausgewaehlte-fragen-und-antworten-zu-zink/ , zuletzt abgerufen am 29.01.2025

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) e. V. Zink; Referenzwerte. Stand: 2019. https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/zink/ , zuletzt abgerufen am 29.01.2025

DocCheck Flexikon. Multiresistente gramnegative Erreger. Stand: 21.03.2024. DocCheck Community GmbH.  https://flexikon.doccheck.com/de/Multiresistente_gramnegative_Erreger , zuletzt abgerufen am 29.01.2025

Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen (LZG.NRW). Acinetobacter baumannii-Gruppe.  https://www.lzg.nrw.de/inf_schutz/krkhs-hygiene/mrgn/acinetobacter/index.html , zuletzt abgerufen am 29.01.2025

Lungeninformationsdienst. Neuer Ansatz zur Vorbeugung und Behandlung bakterieller Lungenentzündungen. Stand: 14.01.2025. Helmholtz Zentrum München. Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH). https://www.lungeninformationsdienst.de/aktuelles/news/artikel/neuer-ansatz-zur-vorbeugung-und-behandlung-bakterieller-lungenentzuendungen , zuletzt abgerufen am 29.01.2025

Palmer, LD et al. Dietary zinc deficiency promotes Acinetobacter baumannii lung infection via IL-13 in mice. Nat Microbiol. 2024 Dec; 9(12): 3196-3209. https://www.nature.com/articles/s41564-024-01849-w , zuletzt abgerufen am 29.01.2025

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