Öko-Test kritisiert zu hohe Vitamin D-Konzentrationen bei vielen Nahrungsergänzungsmitteln und rezeptfreien Arzneimitteln
Die Haut kann Vitamin D unter UV-B-Einstrahlung selbst bilden. Allerdings nur im Sommer. Deswegen wird eine Vitamin D-Einnahme im Winter empfohlen. Bild: LFO62/iStock/Getty Images Plus
Insbesondere in der kalten Jahreszeit häufen sich die Empfehlungen Vitamin D einzunehmen, um einem Mangel vorzubeugen. Entsprechend gibt es zahlreiche rezeptfreie Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel, die Vitamin D enthalten – entweder allein oder in Kombination mit unterschiedlichen weiteren Vitaminen und/oder Mikronährstoffen. Das Verbraucherschutzmedium Öko-Test hat sich 23 frei verkäufliche Präparate mit Vitamin D angesehen und kritisiert, dass viele Präparate eine zu hohe Konzentration – oder bedenkliche Inhaltsstoffe – enthalten.
Was hat Öko-Test untersucht?
Öko-Test hat Ende 2024 insgesamt 23 Präparate mit Vitamin D3 analysieren lassen, die zur täglichen Einnahme vorgesehen sind. Dazu gehörten 19 Nahrungsergänzungsmittel (NEM) und vier rezeptfreie Arzneimittel – als Kapseln, Perlen, (Schmelz-)Tabletten oder Tropfen. Die Prüfung fand durch ein zertifiziertes Labor statt, dass unter anderem den angegebenen mit dem tatsächlichen Vitamin D-Gehalt verglich. Neben der Vitamin D-Dosierung haben sich die Tester auch die weiteren Inhaltsstoffe angesehen. Zwei pharmazeutische Chemiker der Goethe-Universität-Frankfurt überprüften die Studienlage zu Vitamin D.
In die Wertung eingeflossen ist auch die Qualität der Verpackung: Enthielten die Verpackungen PVC, PVDC oder andere chlorierte Verbindungen, führte dies zur Abwertung um eine Note. Denn die chlorierten Verbindungen sind bei der Entsorgung problematisch für die Umwelt.
Ergebnis enttäuschend: Nur zweimal „sehr gut“
Nur in zwei Fällen haben die Tester die Bestnote „sehr gut“ vergeben – beide Male an rezeptfreie Arzneimittel. Wichtig für das Gesamturteil waren hier der Beipackzettel und die Wirksamkeitsbelege.
Und auch mit „gut“ schnitten nur vier Produkte ab. Die Nahrungsergänzungsmittel enthielten die angegebene Konzentration an Vitamin D und richteten sich mit der empfohlenen Tagesdosis an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) beziehungsweise des Bundesamtes für Risikobewertung (BfR) aus: Die Obergrenze für die Tagesdosis liegt bei 20 Mikrogramm (μg) beziehungsweise 800 Internationalen Einheiten (IE) Vitamin D.
Immerhin 15 der untersuchten 19 Nahrungsergänzungsmittel überschritten mit ihrer höchsten empfohlenen Tagesdosis die Empfehlungen der DGE und des BfR. Ein Produkt empfahl sogar die fünffache Menge, also 100 μg oder 4.000 IE.
Ein Produkt enthielt weniger als drei Viertel der angegebenen Menge an Vitamin D.
Abwertung durch weitere Inhaltsstoffe
Zu Abwertung (um zwei Noten) führte der Hilfsstoff Talkum, der als Füllstoff oder Trennmittel eingesetzt wird. Denn im Juli 2024 hat die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Talkum als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft. Das betraf zwei Arznei- und ein Nahrungsergänzungsmittel.
Enthielten die Vitamin D-Präparate Verdickungsmittel (wie Carrageen und Carboxymethylcellulose), Phosphatverbindungen oder den künstlichen Süßstoff Sucralose, führte dies zur Abwertung um eine Note.
Wofür ist Vitamin D gut?
Vitamin D ist kein echtes Vitamin, da unsere Haut den größten Teil unter Sonneneinstrahlung selbst bildet. Allerdings reicht im Winter in unseren Breitengraden die Intensität der UV-B-Strahlung dafür nicht aus. Daher ist ein Vitamin D-Mangel – insbesondere am Ende des Winters – weit verbreitet: Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) in zwei Studien festgestellt hat, weisen gut die Hälfte der Kinder und Jugendlichen (54 Prozent) und nur 44 Prozent der Erwachsenen eine ausreichende Vitamin D-Versorgung auf.
Vitamin D ist für zahlreiche Vorgänge im Körper unverzichtbar, unter anderem für den Aufbau und Erhalt gesunder Knochen. Zudem trägt Vitamin D zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) betonte im Mai 2023, dass eine tägliche Vitamin D-Einnahme mit einer verringerten Krebssterblichkeit verbunden ist.
Andererseits ist auch eine Überdosierung ungesund. Da Vitamin D fettlöslich ist, wird es in den Organen gespeichert. Zu viel Vitamin D im Körper bringt den Calciumhaushalt durcheinander und kann den pH-Wert des Blutes zu stark erhöhen. Eine deutliche Überdosierung kann akutes Nierenversagen auslösen.
Empfohlene Mengen für Vitamin D
Wie oben bereits erwähnt raten DGE und BfR zu einer maximalen Aufnahme von 20 μg beziehungsweise 800 IE Vitamin D. Viele Fachleute sprechen sich durchaus für höhere Mengen aus. Als sichere Obergrenze hat die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) 4000 IE pro Tag für Heranwachsende und Erwachsene festgelegt.
Es macht allerdings einen Unterschied, ob ein nachgewiesener Vitamin D-Mangel vorliegt oder nicht. Bei begründetem Verdacht auf eine Mangelsituation oder für Risikopersonen kann die Bestimmung des Markers 25-Hydroxyvitamin-D (25(OH)D) sinnvoll sein. Er sollte bei 30 Nanomol pro Liter Serum (30 nmol/l) oder 12 Nanogramm pro Milliliter Serum (12 ng/ml) liegen. Beträgt der Spiegel weniger, sprechen Fachleute von einer Unterversorgung oder einem Mangel.
Ist ein Mangel nachgewiesen, können für eine gewisse Zeit höhere Vitamin D-Dosen sinnvoll sein – wie zum Beispiel 5.000 IE. Hier sollte immer Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt gehalten werden, die oder der den Mangel bestätigt hat. Das ist bei guten Produkten seriöser Hersteller allerdings immer aufgeführt.
Bitte beachten: Es gibt hochdosierte Vitamin D-Präparate – beispielsweise mit 10.000 IE (250 µg) Vitamin D –, die für eine wöchentliche Einnahme gedacht sind. Daher den Beipackzettel genau lesen, und die Kapseln oder Tabletten dann wirklich nur einmal in der Woche einnehmen. Und keinesfalls mehrere Produkte mit Vitamin D kombinieren.
Generell sollten Menschen, die Medikamente verschrieben bekommen, immer ihr ärztliche Fachpersonal informieren, wenn sie frei verkäufliche Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel zusätzlich einnehmen. Denn Wechselwirkungen sind nie ausgeschlossen.
Wer hat Risiko für einen Vitamin D-Mangel?
Risikogruppen für einen Vitamin D-Mangel sind
Menschen mit dunkler Hautfarbe
Menschen, die den ganzen Körper verhüllende Kleidung tragen
Ältere, da die Fähigkeit der Haut Vitamin D zu produzieren mit dem Alter nachlässt
Pflegebedürftige, da sie sich kaum im Freien aufhalten
Menschen mit Übergewicht
Menschen mit chronischen Nieren- oder Lebererkrankungen, entzündlichen Darmerkrankungen (wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa) und Zöliakie
Mukoviszidose-Patienten
Menschen, die Medikamente gegen Krebs oder Epilepsie einnehmen
Kinder und Jugendliche, die heutzutage viel seltener draußen sind als früher – und in der Wachstumsphase ausreichend Vitamin D für die Knochen benötigen.
Die internationale Leitlinie „Vitamin D zur Vorbeugung von Krankheiten“, die im August 2024 erschienen ist, empfiehlt eine Vitamin-D-Einnahme für
Kinder und Jugendliche
Menschen ab einem Alter von 75 Jahren
Schwangere
Menschen mit einem Prädiabetes
Menschen mit einem nachgewiesenen Mangel
Dabei ist die optimale Vitamin D-Dosis noch unklar. Denn in den zahlreichen Studien wurden sehr unterschiedliche Vitamin D-Konzentrationen genutzt.
Verzeichnis der Studien und Quellen
The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism (08.24): Vitamin D for the Prevention of Disease: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. https://academic.oup.com/jcem/article/109/8/1907/7685305 , abgerufen am 20.01.2025